Gäbe es in einem seriösen Medium die Kategorie „Traumreisen“, dann müsste man diesen Trip hier listen. Denn er hat alles, was eine Reise sehr besonders macht: Vier unterschiedliche Länder und Kulturen, Natur, Berge, Gewässer, Gaumenfreuden, brennende Pizzaöfen, bunte Strandstühle und sogar violett-farbene Lavenderfelder. Doch die Highlights dieses Trips sind die Unterkünfte. Versprochen.
Die Route
Von unserem Hauptquartier südlich von München geht es via Allgäu, dem Bregenzerwald, dem malerischen Tessin und der Küste Liguriens bis in die Tiefen der Provence, ganz nah an den Mont Ventoux in die Weingegend des Chateau-neuf-du-Pape. Und schließlich in den Süden von Marseille zur noch etwas unbekannten Insel Porquerolles, wo man all das Erlebte Revue passieren lässt und der Meeresbrandung unter einem Sonnenschirm am Strand lauscht. Herrlich.
Und los.
Wir starten erst einmal ganz gemütlich – ins Allgäu. Das sind ja die neuen Catskills von München. Dort mietet man sich im Rosso ein. Christian und Vroni begrüßen uns auf einem Hof mit Hühnern, Schwimmteich, Pizzaofen und grandios eingerichteten Apartments. Das Rosso ist zwar für Selbstversorger, aber eigentlich ist zu jeder Tageszeit etwas da, was man probieren kann. In der Gazetta dello Rosso finden sich auch direkt viele Ausflugsvorschläge der Gastgeber. Man muss im Rosso aber auch nicht zwingend die Gegend erobern. Manchmal reicht auch ein Tag am Teich oder der Aussichtsplattform mit Blick auf die Zugspitze.
Nach zwei, drei Tagen geht es weiter nach Österreich in die verwunschenen Berge des Bregenzer Waldes. In den Hirschen – ein Traditionshaus aus dem Jahr 1755, das Dank der neuen Generation, Pia und Peter Fetz, nun ein „cool place for cool people“ geworden ist. Seit zwei Jahren gibt es ein spektakuläres neues Badehaus mit Outdoor-Pool, an dem es die weltweit einzigartigste und bestens kuratierte Wein-Karte gibt. Das Dinner wurde vom Michelin-Guide mit einem grünen Stern versehen, ist also erstklassig und hier das Gegenteil von spießig.
Wer aktiv ist, läuft tagsüber auf das Bödele und springt anschließend in den eiskalten Bach unter dem Hotel. Anschließend Pool, Sauna und Dinner im Hotel. 100 Punkte.
Vom Hirschen kann man Dank Schweizer Autobahn direkt hinunter an den Lago Maggiore fahren. Wer kulinarisch versiert ist, könnte auf dem Weg ein Lunch im Casa Caminada des gleichnamigen Spitzenkochs einnehmen. Wir waren bereits zu Besuch und fanden auch das Preis-Leistungs-Verhältnis sehr fair. Am Nachmittag sollte man sich dann aber sputen und in einen echten Geheimtipp einchecken: In das Vecchia Dogana, eine alte Zollstation zwischen der Schweiz und Italien. Elisabetta hat das Haus vor ein paar Jahren renoviert, man wohnt in gemütlichen Stuben – und teilt sich das Bad mit anderen Gästen, so wie es früher üblich war. Ein Platz zum Herunterkommen und das Tessin kennenlernen. Sowohl zum Lago Maggiore als auch zum Luganer See sind es nur etwa 20 Minuten.
Elisabetta empfiehlt tagsüber eine Wanderung zum Berg Lema. Von hier hat man einen perfekten Blick auf beide Seen – den Maggiore und den Luganer See. Abends dann ein Dinner in der Osteria La Chiave d’Oro nur 5 Minuten vom Hotel entfernt.
Natürlich muss man anschließend an den Comer See: Aber nicht in die 1.500 Euro teuren Luxusburgen, sondern zu den Brüdern Alessandro und Andrea ins Ca’ Spiga. Was soll man sagen: Man residiert oberhalb der Villa von George Clooney, in antiken Zimmern mit grünen, blauen und gelben Wänden – für ab 180 Euro pro Nacht und blickt auf den See. Magisch.
PH Empfehlung: Mittagessen im Da Luciano, einer ehemaligen Metzgerei mit echtem Vintage-Flair. Man bestellt hier einfach einen Teller mit einer Auswahl an Antipasti sowie etwas Brot. Der Himmel auf Erden. Eine weitere tolle Kombination: Zum Dinner in die berühmte Villa d’Este (12 Minuten mit dem Auto) und einmal das Menü mit Blick auf den See genießen. Da man beim Zimmer ja gespart hat, kann man hier ruhig mal etwas mehr ausgeben – es lohnt sich.
Allmählich neigt sich die Route dem Meer entgegen. Mailand eignet sich perfekt für einen kurzen Espresso-Stopp, bevor wir weiter über Genua zum neu eröffneten Casa Pernice düsen (etwa 300 Euro pro Nacht). Die entzückenden Besitzer, Giorgia und Davide, betrieben früher ein beliebtes Gästehaus am Comer See, doch 2022 entdeckten sie dieses Haus an der ligurischen Küste und beschlossen, noch einmal ganz neu anzufangen. Heute empfangen sie Reisende in drei ziemlich bunten Zimmern (plus ein Apartment), die eher an ein Künstlerrefugium als an ein Hotel erinnern.
Der eigentliche Clou liegt jedoch ein paar Minuten die Straße hinunter: Die beiden haben 2024 ihren eigenen Beach Club eröffnet, gestaltet im entspannten Vintage-Stil der 1970er-Jahre. Gestreifte Sonnenschirme, leicht verblichene Liegen. Italien unplugged.
Wer etwas Zeit hat, sollte eine Bootsfahrt zum Kloster San Fruttuoso in einer versteckten Bucht buchen. Man schippert dann an den Villen von Portofino vorbei und landet in einer Zeit, die eher an das 17. Jahrhundert erinnert.
Dinner Tipp in der Umgebung: L’Ulivo im benachbarten Barassi.
Die Küstenstraße nimmt uns weiter Richtung Frankreich, via Genua und Portofino (das man aufgrund von Massentourismus durchaus links liegen lassen darf) direkt ins Casa d’ Artista von Alassio. Die Enkel der Besitzerin des Hauses haben vergangenes Jahr übernommen und in die ehemalige Künstlerresidenz drei Gästezimmer hinein gezimmert. Alle mit Blick auf das Meer und morgens gibt es das Frühstück in einem Picknick-Korb auf den Balkon gebracht. Das ganze für ca. 300 Dollar. Besser geht es nicht.
Wir bleiben am Wasser und fahren via Monaco und Nizza zu Judith Thiel, einer Deutschen, die sich in den Hügeln hinter den überfüllten Künstlerorten Mougins und Saint Paul de Vence ein drei Zimmer Heiligtum gebaut hat. Das L’Escale du Ciel. Mit dem magischsten Pool und der welt schönsten Frühstücksterrasse. Abends spaziert man 150 Meter in eines der authentischsten Lokale, das Restaurant des Hotel Particulier des Jasmines. Tasgüber kann man sogar hinunter nach Cannes fahren und ein Croissant auf der Croisette genießen.
Da man schon in der Provence weilt, muss man unbedingt das kleine Schloss des Züricher Arztes Cédric George besuchen. Es war eigentlich seine Familienresidenz, doch die Kinder sind nun groß und deshalb hat er es für Gäste geöffnet, die nun in den Genuss kommen, einmal so zu leben wie ein Graf. Seine Domaine de la Ponche liegt in Vacqueyras, nur 10 Minuten von den berühmten Weinbergen des Chateuneuf-du-Pape entfernt. Der Mont Ventoux grüßt im Osten, man könnte ihn kurz mit einem Rennrad hinauf fahren.
Dinner Tipp: Einfach zuvor Luisa, der Innkeeperin Bescheid sagen, sie kocht dann ein Provencalisches Menü im Innenhof des Chateaus.
Unser letzter Stopp ist die Insel Porquerolles vor Hyéres, nur eine Autostunde von Marseille entfernt. Porquerolles ist für die Franzosen eine Art verstecktes Nantucket. Ein Geheimtipp und Naturreservat, in dem es so gut wie keine großen Hotels oder gar Ketten gibt. Im vergangenen Jahr fanden wir hier das Le Porquerollais, eher Restaurant als Hotel, ein 5 Zimmer Bijoux direkt am Marktplatz, mit Boccia-Bahn vor dem Haus und Meeresfrüchten am Abend. Tagsüber faulenzt man am Strand, trinkt Roséwein und genießt das französische Joje-de-vivre. Was für eine Reise!
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