Wie sieht es aus, das perfekte Pretty Hotel?

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Was wäre, wenn die Welt voller Wünsche wäre? Wenn alles erlaubt und nicht reglementiert wäre? Wie würde das perfekte Hotel aussehen? Wir haben die Erfahrungen von Hoteliers und Gästen zusammen getragen – und natürlich unsere eigenen! Fehlt nur noch das Grundstück (…und der Investor).

Die Sonne scheint, 28 Grad Außentemperatur, ein Tor öffnet sich, dann geht alles ganz schnell. Man sieht das Haus, die Einfahrt, die Halle, ein Mitarbeiter fragt, ob man eine gute Anreise hatte. Während der Mitarbeiter seine Augen auf den Computer richtet und die Reservierung sucht, blickt man sich um, notiert in Gedanken, macht Häkchen oder rümpft die Nase.

Die Ankunft, sagen Hoteliers, sei der wichtigste Moment des Urlaubs. In den ersten fünf Minuten entscheidet sich viel. Sehr viel! Bei Paaren urteilen die Damen, bei Familien die Kinder. Die erste Frage, die man sich in solchen Momenten deshalb stellt, ist: Warum machen fast 95 Prozent der Hotels gerade hier die meisten Fehler? Hatte man eine gute Anreise? Nunja, Anreisen sind eben Anreisen. Wie wäre es mit: „Was können wir Ihnen gutes tun?“ Eigentlich möchte man auch kein Glas billigen Sekt oder zwei weiteren Menschen vorgestellt werden, die etwas anbieten. Man möchte nur in ein schönes, ruhiges Zimmer, man möchte hinein, den Vorhang und die Balkontüre öffnen und auf das Meer oder die Berge blicken, Aussichten, die man zuhause im Schwarzwald nicht hat und deshalb ein kleines Vermögen ausgibt, um es zu sehen. Und eigentlich möchte man dieses Vermögen in einem Haus lassen, das alle Wünsche erfüllt.

Nur welches sind eigentlich unsere geheimen Wünsche?

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1. Wo liegt das perfekte Hotel?

Es liegt am Meer. Und zwar direkt! Es gibt nun mal wenig schöneres als direkt vom Zimmer auf das Meer zu blicken, vielleicht sogar vor dem ersten Kaffee. Man könnte – noch vor dem Frühstück – in einen flauschigen Bademantel gehüllt, an den unschuldigen Strand spazieren, die salzige Luft einatmen und ein paar Minuten durch die Wellen kraulen.

Geografisch gesehen liegt das perfekte Hotel etwas außerhalb eines gewachsenen Ortes, denn nichts ist schlimmer als eine Retorten-Siedlung, in der man ausschließlich andere Touristen trifft und sich fühlt wie in einem aufgebauten Disneyland.

Aus den Erfahrungen der vergangenen 20 Jahre lässt sich ableiten, dass die meisten Menschen wieder auf der Suche nach dem authentischen Dorf sind. Das kann in Süditalien liegen, in der Provence oder der Küste Andalusiens. Der Vorteil eines solchen Platzes: Verbringt man acht Tage im perfekten Hotel am Meer unweit dieses ursprünglich gewachsenen Dorfes, spaziert man drei, vier Mal zum Essen in ein Lokal, das nicht nur für Touristen gebaut wurde, sondern für die Menschen, die dort leben. Man möchte die Gewürze kennen lernen, die traditionellen Gerichte und die Bewohner erleben, die man am Ende immer ein wenig bewundert, weil sie eben das ganze Jahr hier sein können – und dafür kein Vermögen ausgeben.

2. Wie sieht es aus?

Das perfekte Hotel ist ein altes Haus, vielleicht erbaut im südlichen Europa des Jahres 1867. Die schönsten Paläste entstanden in den Anfängen des Tourismus, in Meran oder Bad Gastein, im tschechischen Karlsbad, in Luzern oder Viareggio. Manche Häuser wurden gar nicht als Hotel geplant, sondern sind ehemalige Privatresidenzen vermögender Aristokraten wie Das Kranzbach oder dienten – wie die Villa Feltrinelli am Gardasee – als Sommerresidenz einer Verlegerdynastie.

Vom Stil her sind die Franzosen nicht zu schlagen: Blickt man auf die großen Pariser Luxushotels, kann man viele Fehler finden (zum Beispiel die obszön hohen Preise), von außen aber spielen die Paläste des Stadtplaners Georges-Eugène Haussmann in einer eigenen Liga – allen voran das George V., das Ritz und das Plaza Athenée. Das perfekte Hotel hätte allerdings kleine Balkone mit Blick Richtung Meer und Strand.

Es gäbe eine große Vorfahrt und wenn Wünsche keine Grenzen hätten, wäre die Vorfahrt ein riesiger Park und man würde in Sachen Architektur hier den Italienern aus der Toskana den Auftrag geben, ihn zu gestalten. Zypressenalleen sind natürlich unschlagbar!

3. Wie sind die Zimmer?

Grundsätzliches hat sich nichts verändert, in den vergangenen 150 Jahren. Auch das perfekte Hotel hat Zimmer mit Betten, Badezimmer mit Waschbecken und wieder vermehrt freistehende Badewannen aus der Gründerzeit. Allerdings gibt es im perfekten Hotel nur zwei Zimmerkategorien: Suiten und Familienzimmer. Die Welt ist ein großer Zoo in Sachen „mein Auto ist teurer, größer, stärker als Deins“. Darauf könnte man im Urlaub gerne verzichten. Keine Präsidenten Suiten für 42.000 Euro die Nacht, keine Upgrade-Diskussionen. Alle Zimmer sind perfekt, sie sind alle geräumig, jeder zahlt den gleichen Preis, jeder hat Blick auf das türkis schimmernde Meer. Ein Traum? Ja. Aber genau das soll es ja sein!

PS: Haben Sie ab und zu Schwierigkeiten mit den Lichtschaltern? Wie wäre es also, mit einem Lichtschalter an einer Lampe. Es gibt inzwischen schöne, indirekte Lichtinstallationen, aber das Motto der Beleuchtung könnte man mit drei Worten zusammenfassen: „Keep it simple.“

Eine der wenigen guten Ideen der „neuen“ Hotels ist das Bereitstellen eines eigenen Zimmerhandys für den Aufenthalt. Es hat eine lokale Nummer und man kann mit diesem von jedem Ort jeden Mitarbeiter des Hotels erreichen – ohne Roaming-Gebühren.

Oh, und bevor wir es vergessen: es gibt niemals einen Teppichboden im Zimmer! Parkett, breites Holz. Alles andere ist indiskutabel.

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4. Das Restaurant

Hoteliers haben in den vergangenen 15 Jahren in Sachen Restaurant und Bar viel dazu gelernt, aber es gibt noch immer unglaublich viele Häuser, in denen man abends diniert wie in einem Altersheim. „Man möchte gewisse Gäste nicht stören“, heißt es von vielen Hoteldirektoren zu diesem Thema. Oh nein, das ist der falsche Weg! Die drei Prozent, die sich durch etwas Musik, herumlaufende Kinder, nah aneinandergereihte Tische und laut sprechende Kellner und Gäste stören lassen, gehören gar nicht hier hin oder, so ist es meistens: freuen sich über ein wenig Energie! Wer schon mal einen Pärchen-Urlaub auf den Malediven gemacht hat, weiß, wovon wir hier reden. Die Menschen sitzen zum Teil flüsternd gegenüber, haben sich nichts mehr zu erzählen (weil sie den ganzen Tag und den zuvor und den davor eben auch miteinander verbracht hatten) und warten, dass vielleicht noch etwas passiert.

Im perfekten Hotel gäbe es da keine Diskussion: Dinner ist wie beim Dorfitaliener auf der Piazza (zum Beispiel „da Francesco“, Piazza del Fico, Rom): Man speist zusammen, am besten einfache Gerichte aus der Region, dazu einen lokalen Wein und gut ist es.

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PS: Während die Franzosen schon die Fassade des perfekten Hotels kreieren und die Italiener sowohl Restaurant und Garten verantworten dürfen, wollen wir die Engländer nicht vergessen: Wir mögen die Tradition des Afternoon Teas. Denn sie schafft das, was die Welt in diesen Tagen so sehr vermisst: Stilvolle Konversation am Nachmittag, ohne Smartphone oder ipad-Leserei, dazu bunte Macarons, frisches Obst, Mille Feuille und 1002 Teesorten. Der High Tea im perfekten Hotel wäre zwar nicht ganz so konservativ wie in Downton Abbey, aber er hätte Stil. Apropos Stil: Es gab lange Jahre einen Trend, die Kellner leger über das Parkett laufen zu lassen. Um es ganz vorsichtig auszudrücken: das ist ein Riesenfehler. Der Mensch möchte im Urlaub alles einfach, er befindet sich im Energiesparmodus. Deshalb ist es nicht nur schöner, sondern auch besser, einen Kellner und Barkeeper – und eine Kellnerin natürlich – sofort an ihrer Kleidung zu erkennen.

5. Der Service

Ein Hotel ist immer nur so gut wie sein Service. Sagt man. Wir sagen: das schlimmste an manchen Hotels ist die gespielte Freundlichkeit, das aufgesetzte Lächeln, andauerndes Nachfragen, ob alles in Ordnung sei. Dabei ist Hotelservice etwas sehr leichtes: Der Gast entscheidet, ob er bestimmte Dinge in Anspruch nehmen möchte.

Früher gab es einen Concierge, der war seit 20 Jahren im Haus. Dieser Concierge konnte innerhalb von zwei Stunden einen Hubschrauber organisieren, der 1.000 rote Rosen auf dem Liegestuhl der Frau abwarf. Fausto Allegri aus dem Hotel Splendido in Portofino war so ein Mann. Heute findet man ein ipad mit nicht sehr aktuellen Tipps, oder Broschüren. Schade.

Im perfekten Hotel regnet es jeden Tag 1000 rote Rosen vom Himmel, kurz nach dem High Tea, kurz vor dem ersten Glas Champagner, das man gemeinsam mit dem Zimmernachbarn auf dem Balkon genießt, mit Blick auf das Meer, irgendwo im Süden Europas, an einem Ort, den es vielleicht gar nicht mehr gibt. Doch: in unserem Traum!

PS: Die wunderbaren Illustrationen sind von Kera Till (www.keratill.com), exklusiv für Pretty Hotels.