Wo sind wir?
In Gagliano del Capo, ganz im Süden des Salento, Apulien. Wenn man es genau nimmt, sind wir direkt am Absatz des italienischen Stiefels. Hier treffen die Adria und das Ionische Meer aufeinander. Der Palazzo selbst steht am Corso Umberto I, mittendrin, gegenüber einer Bar an der Piazza. Schon alleine der Kontrast ist die Reise wert. Drumherum das raue, zum Teil etwas abgerockte Süditalien, hier nun ein Palast, der schon seit vier Generationen im Besitz der Familie Daniele ist. Ihr Nachfahre Francesco Petrucci hat in diesem Anwesen als Kind die Sommer verbracht. Gemeinsam mit dem Römischen Hotelier Gabriele Salini – er betreibt auch das G Rough in Rom – hat er daraus ein Gästehaus kreiert, das sich von anderen Etablissements stark unterscheidet.
Das Hotel
Was einem sofort auffällt: Dieses Haus ist kein klassisches Hotel. Es gibt keine Rezeption im üblichen Sinn und kein Restaurant mit Karte. Man betritt das Haus durch die verschiedenen Salons. Viele Fresken, viel Stein, grandioses Licht, das durch die Gänge sickert. Im Salotto steht eine Honesty Bar, im Lesezimmer liegen alte Bücher. Unter den dicken Steinmauern und den Gewölben bleibt es auch dann kühl, wenn draußen der Hochsommer brennt. Der kann sehr heiß werden hier und man freut sich über die steinernen Mauern.
Das Design
Den Umbau haben Ludovica und Roberto Palomba (Palomba Serafini Associati, Mailand) entworfen. Ihr Ansatz war, möglichst viel wegzulassen. Erhalten und restauriert wurden die Deckenfresken, die terrakottafarbenen Mosaikböden und auch die Risse in den Gewölben, die von 160 Jahren Geschichte erzählen. Dazu kommen ein paar eigens entworfene Möbel: offene Garderoben aus schwarzem Stahl und die Sessel der Serie „Lirico“. An einer Zimmerwand sind noch die Bleistiftstriche zu sehen, mit denen die Daniele-Kinder ihre Größe markiert haben.

Die Kunst
Francesco Petrucci, der selbst noch eine Wohnung im Palazzo besitzt, hat 2010 Capo d’Arte gegründet. Die gemeinnützige Initiative holt zeitgenössische Kunst nach Apulien und richtet jedes Jahr ein Festival in Gagliano aus. Entsprechend ist der Palazzo auch Ausstellungsraum. Es gibt Leuchtkästen des Römers Simon d’Exéa und eine Regendusche, die Andrea Sala als Installation gestaltet hat. Zwischen den Ahnenporträts der Familie hängt eine wachsende Sammlung zeitgenössischer Arbeiten.
Die Suiten
Die neun Suiten verteilen sich auf zwei Flügel um den zentralen Innenhof, und keine gleicht der anderen. Die Junior Suites haben meist Originalfresken an der Decke. In der Royal Junior Suite steht eine freistehende Wanne unter den Fresken. „La Torretta“ ist ein Duplex mit roter Marmortreppe, einer Bibliothek italienischer Klassiker und direktem Zugang zum Garten. Die Black Suite erreicht man durch eine alte Geheimtür und eine Steintreppe. Sie ist ein Penthouse mit 85 Quadratmetern, eigener Küche und einer großen Terrasse, die den Innenhof umläuft. Familien finden in den Master Suites zwei Schlafzimmer und zwei Bäder.
Garten & Spa
Hinter dem Haus folgen mehrere Höfe aufeinander, dann eine Orangerie und ein ummauerter Garten mit Orangen- und Zitronenbäumen. Dort liegt ein zwölf Meter langer Pool mit dunklem Becken, eingefasst von Steinplatten. Herrlich. Daneben gibt es eine Sauna und ein Dampfbad, im Sommer auch eine Tapas-Bar am Wasser.
Die Küche
Auch die Küche folgt einer sehr langen und einzigartigen Tradition: Es werden keine Stars aus der Branche eingeflogen, sondern von Frauen aus dem Ort übernehmen den Herd. Ihre Familien leben seit Generationen im Salento, sie kennen die Zutaten und die Bauern, die sie vorbeibringen. Auf den Tisch kommen zum Beispiel Oktopus mit Kartoffeln, Rind in Negroamaro-Sauce, Tubettini mit Drachenkopf und Zitronen-Linguine mit Thymian und Garnelen. Wer will, lernt in der Küche, wie man Orecchiette formt. Mittag- und Abendessen gibt es auf Anfrage, mindestens einen Tag im Voraus sollte man aber Bescheid sagen.
Strände
Zu Fuß erreichbar ist der Canale del Ciolo, eine Schlucht, die direkt ins Meer mündet und zum Baden zwischen Felsen einlädt. Weiter Richtung Leuca liegt die Grotta Aspro mit weißen Klippen und türkisfarbenem Wasser. Wer Sand möchte, fährt an die Ionische Küste nach Pescoluse, das wegen seines hellen Strands „Malediven des Salento“ genannt wird.
Gut zu wissen
Die meisten Strände im Süden des Salento sind felsig, Badeschuhe sind hilfreich. Der Palazzo hat keine eigenen Parkplätze, geparkt wird in den umliegenden Straßen. Wegen der historischen Bausubstanz ist das Haus nicht barrierefrei. Hunde sind willkommen. Im Januar und Februar ist das Haus meist geschlossen. Von November bis Mitte März lässt sich der ganze Palazzo exklusiv mieten.
Verbinden mit
Die perfekte Apulienreise beginnt in Bari, dort nimmt man sich einen kleinen Mietwagen (klein deshalb, weil man durch schmale Gassen von Dörfern fahren muss, ein Fiat 500 ist sinnvoll), bleibt ein paar Nächte im Palazzo Tafuri, anschließend hinunter ins Palazzo Daniele – und zum Schluss 5 Tage Ausspannen in der Masseria Calderisi mit eigenem Strandclub zwischen Monopoli von Ostuni. Absolute Traumreise.
Anreise
Nächster Flughafen: Brindisi, ca. 90 Minuten mit dem Auto. Oder Bari, etwa 2.30h.
Preise
Suiten ab ca. 415 € pro Nacht, Frühstück nicht inbegriffen (8 bis 12 Uhr, auf Wunsch). Im Sommer kosten die Suiten eher ab 800 Euro pro Nacht.
Buchung & Kontakt
Palazzo Daniele
Corso Umberto I 60
73034 Gagliano del Capo (LE)
Italien
