Strand Juwelen

Nafarrola Baskenland / Spanien

Nafarrola

Manchmal muss man weit fahren, um zu verstehen, was einem fehlt.

Das Örtchen Bermeo liegt an der kantabrischen Küste, neben Bilbao, nur anderthalb Stunden von der französischen Grenze entfernt. Es ist einer jener Orte, an denen der Atlantik noch nach echtem Atlantik riecht – salzig, rau, unerbittlich. Baskenland. Die Boote im Hafen sehen aus, als würden sie seit Jahrhunderten dort liegen. Vielleicht tun sie es auch.

Das Hotel

Das Hotel Nafarrola findet man nicht, wenn man nicht weiß, wo man suchen soll. Es versteckt sich in den grünen Hügeln oberhalb des Hafens, zwischen Weinbergen und Eichenwäldern, und wer die schmale Zufahrt hinaufgefahren ist und dann aus dem Auto steigt, steht vor einem Gemäuer, das im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Drinnen: Nur acht geräumige Zimmer. Und ein Feinschmecker Restaurant mit Michelin Krönung. Kein Spa mit Infinity-Pool, kein Concierge mit iPad. Stattdessen: Josu Goikoetxea, der Gastgeber.

Nafarrola-Vibes: Eine ruhige Oase mit schlichten Zimmern, sehr authentischem Essen und gerne auch etwas Wellness (wer es möchte).

Josu ist einer der beiden Brüder, denen das Haus gehört. Er ist groß, ruhig, spricht mit den Händen, wenn er vom Txakoli (einem lokalen Wein) erzählt, und wirkt wie jemand, der genau weiß, wo er ist und warum. Sein Bruder Gaizka kümmert sich erstklassig um die Küche. Zusammen haben sie aus einem verfallenen Familienerbe etwas gemacht, das man in der Hotellerie nur noch selten findet. Ein wunderschön persönliches Gasthaus.

Die Zimmer

Die Zimmer haben Kamine und Terrakottaböden und Holzbalken, die sich leicht durchbiegen, weil sie das schon seit Generationen tun. An den Wänden hängen keine Drucke aus dem Designkatalog, sondern Keramik aus dem Töpferatelier auf dem Nachbarhügel. Eine Whirlpool-Wanne steht neben dem Fenster, und wenn man nachts darin liegt, sieht man die Sterne über dem Atlantik. In einigen Suiten haben die Brüder Fenster ins Dach geschnitten – für jene Stunden, in denen man nicht schlafen kann oder will.

Pretty Hotels: Nafarrola (Bild 10)
Sogar das Meer ist vom Hotel aus zu sehen.

Wie ist es?

Traumhaft. Wirklich! Am Vorabend hat man aus einer handgeschriebenen Karte ausgewählt, was man sich zum Frühstück wünscht. Am Morgen kommt es langsam: frische Eier vom Hof nebenan, Käse aus der Molkerei im Tal, Honig eines Imkers, den Josu seit Kindheitstagen kennt. Brot, das noch warm ist. Man sitzt auf der Terrasse. Unten, kaum sichtbar zwischen den Baumkronen, glitzert das Meer. Absolut grandios.

Das Biosphärenreservat Urdaibai, in das Nafarrola eingebettet ist, gehört zu den am wenigsten bekannten Landschaften Spaniens – was einem kleinen Wunder gleichkommt. Das Mündungsgewässer des Río Oka zieht sich ins Hinterland, gesäumt von Schilfrohrdickichten und alten Eichenwäldern; im Frühjahr rasten hier Zugvögel auf ihrem Weg nach Norden. Wer mit dem Kajak in die Stille des Ästuars paddelt, versteht, warum die Unesco diesen Landstrich unter besonderen Schutz gestellt hat.

Pretty Hotels: Nafarrola (Bild 11)
Eines der nur acht Zimmer im Hotel Nafarrola.

Die Brüder Goikoetxea öffnen ihren Gästen Türen, die normalerweise geschlossen bleiben. Manchmal ist es die Sardellenmanufaktur am Hafen von Bermeo, in der Frauen in weißen Kitteln noch immer nach überlieferter Methode arbeiten. Manchmal ist es das Atelier des Töpfers, dessen Tassen und Teller abends im Restaurant auf den Tisch kommen. Manchmal ist es schlicht ein Picknick an einer Stelle, die kein Wanderführer verzeichnet, mit einem Glas Txakoli, den Josu selbst keltert.

Die Küche

Über den Txakoli müsste man eigentlich einen eigenen Absatz schreiben. Dieser leicht perlende, knochentrockene Wein aus der Provinz Bizkaia ist das Gegenteil von gefällig: keine weichen Fruchtaromen, keine Schmeichelei. Er schmeckt nach Atlantik und nach Kalkstein und nach dieser eigentümlichen baskischen Trotzigkeit, die man auch in der Architektur, in der Sprache, in der Küche findet. In der Kammer des Hauses lagern Dutzende Etiketten aus der Region. Josu öffnet sie mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der weiß, dass guter Wein keine langen Erklärungen braucht.

Das Herzstück des Hauses und alleine deshalb schon einen Besuch wert: Das Restaurant Rola, mit typisch Baskenländischen Gerichten. Auch der Guide Michelin hat es bereits entdeckt.

Im Restaurant Rola, das tagsüber nach Bauernküche riecht und abends nach etwas Ernsthafterem, kocht Gaizka ein Menü, das er die „Ökosysteme von Urdaibai“ nennt. Klingt nach Küchenjargon. Ist aber wörtlich gemeint: Jeder Gang erzählt von einem anderen Lebensraum – dem Meer, dem Mündungsgewässer, dem Gemüsegarten, dem Wald. Die Zutaten kommen von Menschen, die Gaizka beim Vornamen nennt. Die Wege sind kurz. Der Geschmack ist es nicht.

Wenn man es genau nimmt, ist das Dinner ein Erlebnis, für das es sich alleine lohnt, hier her zu reisen.

Am letzten Abend sitzt man lange auf der Terrasse. Die Hügel werden dunkel, das Meer verschwindet im Abendlicht, irgendwo bellt ein Hund. Josu kommt mit einer Flasche, die er noch nicht geöffnet hat, und erzählt von dem Winter, in dem alles begann: wie er und Gaizka beschlossen, nicht wegzugehen, sondern zu bleiben. Wie sie das Haus ihrer Großeltern ausgruben, Stein für Stein. Wie lange es gedauert hat, bis die erste Buchung kam.

Man hört zu und merkt, dass man für zwei Stunden vergessen hat, auf sein Handy zu schauen.

Strände

Das Nafarrola liegt nur etwa 5 Minuten vom Meer entfernt. Einer der schönsten Strände, der Playa de Mundaka – mit guten Wellen für Surfer auf einer Seite – liegt quasi vor der Haustüre. Etwa 12 Minuten vom Hotel entfernt.

Auch schön: Playa de Laga. Landschaftlich einer der schönsten Strände im Baskenland, ebenfalls eingebettet ins Naturschutzgebiet Urdaibai. Ideal auch für Kajak und SUP, mit Blick auf die Felseninsel Izaro.

Was man tagsüber macht? Ausflüge ins Hinterland mit dem Haus-Jeep oder an die Strände und in die Buchten.

Ausflüge

Eigentlich ist das Hotel Nafarrola perfekt, um es als Basis zu nutzen, das Baskenland zu erkunden. Die wunderschöne Stadt San Sebastian erreicht man in 1,5 Stunden. Dort könnte man im Mugaritz einen Tisch im Voraus buchen, eines der besten Lokale Europas. Bilbao ist einen Besuch wert, das Guggenheim Museum natürlich, das ist nur 15 Minuten entfernt.

Ideal für

Menschen, die sich für eine perfekte Kombination aus Architektur, Gastfreundschaft und Kulinarik interessieren.

Beste Reisezeit

Bilbao lohnt sich zu jeder Jahreszeit, vor allem im Frühjahr und Herbst ist es hier schön ruhig und man kann die Landschaft genießen. In den Sommermonaten kann es heiß werden, das Wasser ist dann warm und die Strände voll. Auch schön.

Restaurant Rola

Das Restaurant Rola von Chefkoch Gaizka ist von Dienstag – Samstag geöffnet. Mittags dürfen auch externe Gäste hier speisen.

Preise

Doppelzimmer ab ca. 175 Euro pro Nacht inkl. Frühstück.

Buchung & Kontakt

Hotel Nafarrola
Barrio Artike, 45,
48370 Bermeo – Biscay
Spanien

www.hotelnafarrola.com

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